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Lies: „Endlich Lehren aus Schiffkatastrophe in der Nordsee ziehen“

Niedersachsens Umweltminister fordert den Bund zum Handeln nach dem Unglück der „MSC Zoe“ auf


PI 085/2020

„Aus dem schweren Seeunfall des Container-Riesen „MSC ZOE“ in der Nordsee vor einem Jahr müssen endlich Konsequenzen gezogen werden. Doch noch immer hat der Bund keine konkreten Maßnahmen umgesetzt“, übte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies beim Besuch der Insel Juist am heutigen Mittwoch deutliche Kritik an den Bundesbehörden mit Verkehrsminister Andreas Scheuer an der Spitze. „Bundesverkehrsminister Scheuer hat meine Vorschläge, den Megacontainerschiffen eine küstenferne Route vorzugeben, bisher abgelehnt“, bedauert Lies, der die Sorgen der Bürgermeister vor einer erneuten Katastrophe unmittelbar vor ihren Inseln sehr ernst nimmt. „Wir brauchen ein Umdenken, die Zeit drängt!“, so der Minister mit Blick auf die kommende Saison mit schweren Stürmen im Herbst und Winter.

Das Bundesverkehrsministerium wertet zurzeit den Abschlussbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung zur MSC ZOE aus. Dazu hat der Bund eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der auch das Land Niedersachsen mitwirkt. Umweltminister Lies hat die niedersächsischen Forderungen dort noch einmal unmissverständlich eingebracht. Das Hauptargument für Fahrtrouten weiter weg von der niedersächsischen Küste und den Inseln: Nutzen die Mega-Schiffe das küstenferne Verkehrstrennungsgebietes German Bight – Western Approach, dann besteht bei der Anfahrt aus dem Westen deutlich mehr Zeit, um Schiffen in Seenot zur Hilfe zu kommen. „Diese Lehre haben wir in Niedersachsen insbesondere aus der Havarie der „Glory Amsterdam“ vor Langeoog gezogen“, betont Lies. Auch das Havarie-Kommando in Cuxhaven unterstützt den Umweltminister ausdrücklich bei dieser Argumentation.

Das Bundesverkehrsministerium verweist auf komplizierte Verhandlungen in der Weltschifffahrtsorganisation (IMO), die für eine Routenvorgabe erforderlich würden. Bisher gibt es diese nur für Tankschiffe, nicht aber für Containerriesen. „An dieser Stelle haben wir dringendsten Handlungsbedarf“, so Lies. Auch bei der Entwicklung von Peilsendern für Container, insbesondere solche mit Gefahrgut, muss es deutliche Fortschritte geben, fordert der Umweltminister, der auf erste erfolgreiche Tests unter Beteiligung des Havarie-Kommandos verweist. Lies: „Das System sei produktionsreif und kostengünstig.“

Zur Erinnerung: Am 2. Januar 2019 geriet der Container-Riese „MSC Zoe“ in schwere Seenot. Am Ende verlor der Frachter 342 Container, mehr als 1.000 wurden beschädigt. Wochenlang wurde auf den Inseln und auch an der Küste Strandgut angespült, besonders Berge von Plastikmüll. Wahrscheinlich liegt ein Drittel der Container noch immer auf dem Meeresboden. Die deutschen und niederländischen Behörden sind seitdem alarmiert.




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