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LNG in Niedersachsen: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Landesregierung unterstützt den Bau neuer LNG-Terminals. „ Bundeskanzler und Bundeswirtschaftsministerium haben mit Wilhelmshaven in Niedersachsen und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein bereits sehr konkret mögliche Standorte benannt“, so Energieminister Olaf Lies. Um beim Import von Erdgas zügig von Russland unabhängig zu werden, müssten die Planungen schnellstmöglich voranschreiten – und gleichzeitig eine Umstellung auf grünes Gas ermöglichen. Ein Überblick.


Was ist LNG?

LNG (Liquefied Natural Gas) bedeutet zu Deutsch: verflüssigtes Erdgas. Heruntergekühlt auf minus 162 Grad Celsius weist das Flüssiggas ein etwa 600-Mal geringeres Volumen auf als im gasförmigen Zustand. Dadurch werden die Lagerung und der Transport auf Tankschiffen erleichtert. Nach dem Anlanden an einem speziellen Terminal kann das LNG regasifiziert, also wieder in Gas umgewandelt, und ins Netz eingespeist werden.

Als wichtige Exportländer für LNG gelten die USA, Katar oder Australien. Mehrere europäische Staaten verfügen bereits über eine Import-Infrastruktur für Flüssiggas, darunter Frankreich, Spanien, Großbritannien oder Italien. Auch in der Bundesrepublik Deutschland sollen LNG-Terminals gebaut werden.

Flüssiges Erdgas (LNG) wird in speziellen Frachtschiffen transportiert.   Bildrechte: Wojciech Wrzesień, Adobe Stock
Flüssiges Erdgas (LNG) wird in speziellen Frachtschiffen transportiert.

Welche Rolle spielt LNG für die zukünftige Energieversorgung in Deutschland?

Als eine Reaktion auf den Krieg in der Ukraine hat Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022 den Bau von zwei LNG-Terminals angekündigt, in Wilhelmshaven und Brunsbüttel. Durch den Import von Flüssiggas soll die Bundesrepublik unabhängig von Erdgas aus Russland werden. Bislang stammt das meiste nach Deutschland importierte Erdgas aus Russland. Gemessen am inländischen Gasverbrauch ist Deutschland zu 49 Prozent von Russland abhängig. LNG könnte zwei Drittel russischer Erdgasimporte ersetzen.

Niedersachsens Energieminister Olaf Lies hat bereits vor der Ukrainekrise für eine Diversifizierung des Imports plädiert und spricht sich angesichts der aktuellen Lage umso mehr für den schnellen Bau eigener LNG-Terminals aus: „Gerade mit Blick auf konsequente und langfristige Sanktionen ist es noch dringender, dass wir darüber sprechen, wie wir diese Sanktionen auch durchhalten. Um die Energieversorgung sicherzustellen, müssen wir so zügig wie möglich Terminals bauen, mit denen wir Flüssiggas importieren können.“

Gleichwohl sei LNG nur eine nötige Zwischenlösung in der Energiewende, so Lies weiter. „Wichtig ist, dass wir den eingeschlagenen Kurs, den Umstieg auf die Erneuerbaren, jetzt nicht verlassen. Wir müssen diesen Weg schneller und konsequenter als bisher gehen.“ Über die schnelle und deutliche Ausweitung Erneuerbarer Energien könne die bestehende Abhängigkeit der Energieversorgung Deutschlands und Niedersachsens vom Import fossiler Energieträger reduziert werden. Die Landesregierung setzt deshalb auf allen Ebenen intensiv darauf, dass der Ausbau der Erneuerbaren und der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft beschleunigt wird. Lies betont in diesem Zusammenhang, die neuen LNG-Terminals müssten „Green Gas Ready“ sein, also bereits so geplant, dass ein späterer Umstieg auf grünes Gas problemlos erfolgen kann.

Lies: "Landesregierung hat Bau von LNG-Terminals immer unterstützt"

Rede im Landtag, 24. Februar 2022.

An welchen Standorten in Niedersachsen sollen LNG-Terminals gebaut werden?

„Mit Wilhelmshaven und Stade verfügt Niedersachsen über zwei hervorragend geeignete Standorte“, sagt Energieminister Olaf Lies. In beiden Städten gibt es seit Jahren, teils Jahrzehnten Pläne von Investoren und Unternehmen, eine entsprechende Infrastruktur für den Import von Flüssiggas aufzubauen.

„Die Landesregierung hat den Ausbau von LNG immer unterstützt – jetzt ganz besonders“, sagt Energieminister Lies. Mit der Ankündigung für den Bau zweier Importterminals durch Bundeskanzler Olaf Scholz steht auf niedersächsischer Seite nun vor allem der Standort Wilhelmshaven im Fokus. Mit einer Taskforce – einem eigens installierten Expertengremium – unterstützt das niedersächsische Energieministerium die Planung und Umsetzung und steht dabei im Austausch mit Verbänden, Gewerkschaften, Energieversorgern, Infrastruktur-Betreibern und Netzunternehmen.

Lies: „Wir können es schaffen, schon in den kommenden zwei bis drei Jahren in Wilhelmshaven mit der Anlandung von Flüssiggas zu starten. Dafür müssen wir überall und wo irgend möglich planerische Abkürzungen nehmen. Gemeinsam mit dem Bund müssen wir dazu die Genehmigungsverfahren dringend verkürzen und die Hemmnisse für eine schnelle Umsetzung herabsetzen. Darüber werden wir auch mit der Europäischen Union Gespräche führen.“

Neben Wilhelmshaven sei auch Stade weiter ein möglicher Standort für ein LNG-Terminal, so Lies. „Wir werden in Zukunft, wenn wir nicht mehr fossiles, sondern grünes Gas importieren, mehr als nur zwei Importterminals brauchen. Deswegen bleibt auch der Standort Stade weiter in der Planung.“

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