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Niedersächsisches Wasserversorgungskonzept - Lies: „Grundlage für ein grundsätzliches Umdenken beim Wassermanagement“

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat am (heutigen) Montag das Wasserversorgungskonzept für Niedersachsen vorgestellt. „Das Material liefert mit umfangreichem Kartenmaterial und umfassenden textlichen Ausführungen ein Konzept, das alle Akteure Niedersachsens bei ihren wasserwirtschaftlichen Planungen nutzen werden können – damit die Wasserversorgung landesweit langfristig sichergestellt werden kann. Zwar ist die Versorgungslage aktuell gesichert. Angesichts des Klimawandels und den damit einhergehenden, zunehmenden Wetterextremen brauchen wir aber einen Plan, damit das auch in 30 Jahren noch der Fall ist“, so Lies. Hierbei gehe es um eine vorsorgende Weiterentwicklung der Wasserversorgung im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen: „Das Wasserversorgungskonzept müssen wir daher auch als ständigen Prozess begreifen. Maßnahmen und Handlungsoptionen werden wir mit den Nutzern und denen, die die Maßnahmen vor Ort umsetzen müssen beständig diskutieren, überprüfen und weiterentwickeln. Dieses Konzept bildet die Grundlage für ein grundsätzliches Umdenken bei der Frage, wie wir künftig mit der kostbaren Ressource Wasser umgehen.“

Das Wasserversorgungskonzept Niedersachsen wurde unter der Leitung des Umweltministeriums und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Nutzer- und Interessengruppen und Bewirtschaftern der Grundwasserressourcen erarbeitet. Es ist in die Zukunft gerichtet und bezieht die Herausforderungen des Klimawandels mit ein. Es schafft erstmals eine umfassende Informations- und Planungsgrundlage im landesweiten Maßstab, welche vorausschauend potenziell den Handlungsbedarf und regionale Spannungspotenziale aufzeigt und gleichzeitig eine erste Sammlung von Handlungsoptionen bereitstellt, mit denen den Herausforderungen der Zukunft begegnet werden kann. Somit wird den verschiedenen Akteuren innerhalb des Landes ermöglicht, vorausschauend zu handeln und die Wasserversorgung in Niedersachsen entsprechend der jeweils regional vorliegenden Herausforderungen weiterzuentwickeln.

„Ich freue mich, dass wir uns hier auf den Weg gemacht haben und nun mit dem Wasserversorgungskonzept bundesweit eine führende Rolle einnehmen, was die zukunftsgerichtete Planung unserer Wasserversorgung angeht“, so Minister Lies. „Durch den Austausch zwischen den beteiligten Akteuren konnten wir ein gemeinsames Problembewusstsein und Prozessverständnis entwickeln. Es ist eine wertvolle Basis der landesweiten Zusammenarbeit entstanden. Das Wasserversorgungskonzept ist ein wichtiger Schritt, um im Weiteren aus den nun vorliegenden Erkenntnissen konkrete Lösungen zu entwickeln. Denn uns alle verbindet das Ziel, gemeinsam in die Zukunft zu blicken und vorausschauend zu handeln, um konsensfähige Lösungen zu finden. Sowohl die vergangenen Jahre, als auch die Klimaprognosen zeigen, dass wir lernen werden müssen mit Extremen zu leben und den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Hierbei dürfen nicht die Ereignisse einzelner Jahre unser Handeln bestimmen, sondern wir müssen uns langfristige Trends und Entwicklungen ansehen. Das Wasserversorgungskonzept bietet hierzu das passende Instrumentarium. Die Herausforderungen der Zukunft können wir nur gemeinsam als Gesellschaft tragen. Das Wasserversorgungskonzept ist ein wertvolles Instrument und ein Weckruf für die Wasserwirtschaft in Niedersachsen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Signale richtig verstanden und die Erkenntnisse des Konzeptes auch in den einzelnen Regionen des Landes genutzt und umgesetzt werden.“

„Das Wasserversorgungskonzept stellt eine gute Informationsgrundlage dar und gibt erste Hinweise auf aktuelle und zukünftige potenzielle Handlungsbedarfe.“, so Godehard Hennies, Geschäftsführer vom Wasserverbandstag e.V. Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt. „Auch im Namen von BDEW und VKU bedanken wir uns für die Möglichkeit, dass wir als Vertreter der öffentlichen Wasserversorgung am Konzept mitwirken konnten. So wurde eine gute Vertrauensbasis geschaffen, die unerlässlich ist, um die Wasserversorgung auch für die Zukunft zu sichern“, so Hennies weiter. „Die Verfügbarkeit von Wasser zu jeder Zeit ist die Lebensgrundlage unserer heutigen Gesellschaft, aber auch Standortfaktor für unsere Kommunen und das ganze Land Niedersachsen. Die Ressource Wasser muss daher der gesamten Bevölkerung und der Wirtschaft und Landwirtschaft auch weiterhin in ausreichender Menge und guter Qualität jederzeit zur Verfügung stehen. Unser gemeinsames Ziel sollte es daher sein, die öffentliche Wasserversorgung als gesellschaftliche Aufgabe zu unterstützen. Der Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung und die Bedeutung dieser für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Niedersachsen muss wieder in den Mittelpunkt des Bewusstseins rücken.“

„Bei der Erstellung des Wasserversorgungskonzeptes ist erneut klar geworden, dass Niedersachsen einer der Gunststandorte für Nahrungsmittel und Biomasse-Erzeugung ist“, sagt Thorsten Riggert. Er ist Mitglied im Vorstand des Landvolks Niedersachsen und Vorsitzender des Bauernverbands Nordostniedersachsen. Er wirtschaftet im Landkreis Uelzen. „Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in der Welt werden wir absehbar keine ernsthafte Verknappung des Wassers erleben. Dort, wo es zukünftig zu Herausforderungen kommt, um allen Ansprüchen gerecht zu werden, dürfen wir nicht über die sonst übliche Verbots- und Einschränkungskultur als erstes eingreifen, sondern müssen Lösungen anbieten. Wasser muss zurückgehalten und wiederverwertet werden, damit die nutzbare Menge erhöht wird. Wir Landwirte wollen mithelfen, für einen fairen Ausgleich aller Ansprüche zu sorgen.“

„Das Ziel des Wasserversorgungskonzepts ist gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels sowie der Bedeutung der Ressource Wasser ausdrücklich zu begrüßen“, sagt Dr. Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, für die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens. „Die Kommunen sind zum Teil in ihrer Eigenschaft als Träger der Wasserversorgung, zum Teil auch als untere Wasserbehörden betroffen. Wir hätten uns eine Hervorhebung des Vorrangs der Trinkwasserversorgung im Konzept des Landes gewünscht. Das Bewirtschaftungsermessen der unteren Wasserbehörden als Hüter des Trinkwassers für die künftigen Generationen darf dabei nicht eingeschränkt werden. Das Wasserversorgungskonzept enthält optionale Maßnahmenvorschläge. Klar ist, dass die Kommunen diese Maßnahmen und eine vom Land gewünschte Erstellung kommunaler Konzepte nicht ohne eine ausreichende Finanzierung des Landes und Unterstützung umsetzen können. Zusätzliche Belastungen der Bürgerinnen und Bürger durch höhere Wassergebühren wegen nicht ausfinanzierter Ideen des Landes müssen auf jeden Fall vermieden werden.“

Wie funktioniert das Wasserversorgungskonzept?

Das Wasserversorgungskonzept dient im Sinne einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen dem Ziel der langfristigen Sicherstellung der niedersächsischen Wasserversorgung. Hierunter fällt die Versorgung mit hochwertigem Trink- und Brauchwasser in Niedersachsen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowie von Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft.

Es analysiert den derzeitigen Stand und die mittel- und langfristigen Entwicklungen von Grundwasserbedarfen und Grundwasserdargebot. Hierzu wurden auf Basis landesweiter Daten und der Expertise der verschiedenen Wassernutzer das gewinnbare Grundwasserdargebot und die ermittelten Grundwasserbedarfe der unterschiedlichen Nutzergruppen einander zu verschiedenen Zeitpunkten gegenübergestellt. Auf dieser Basis wurden der derzeitig vorliegenden Nutzungsdruck und eine mittel- und langfristige Prognose zukünftiger Veränderungen des Nutzungsdruckes, der auf unseren Grundwasserressourcen lastet, abgeleitet, sodass potentielle Handlungsbedarfe in den einzelnen Regionen Niedersachsens für Gegenwart und Zukunft sichtbar werden.

Bei der offiziellen Vorstellung des Wasserversorgungskonzeptes wurde anhand der gezeigten Nutzungsdruckkarten verdeutlicht, wie sich der Druck auf die Grundwasserressourcen in Niedersachsen verändern könnte, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, die diesen Entwicklungen entgegenwirken.

Aus den Ergebnissen des Wasserversorgungskonzeptes ergibt sich ein differenziertes Bild. Sowohl Bedarfe als auch Dargebot entwickeln sich in Niedersachsen nicht landesweit einheitlich. Im Ergebnis zeigen wesentliche Teile des Landes einen künftigen Handlungsbedarf. Es wird deutlich, dass sich die Wasserversorgung in Niedersachsen regional angepasst steigenden Herausforderungen stellen muss.

Startschuss für die Umsetzungsphase
„Den künftigen Entwicklungen wird man nicht innerhalb kürzester Zeit begegnen können. Dies braucht eine Vorbereitungszeit. Dies ist ein Privileg und eine Chance, die wir nicht ungenutzt aus der Hand geben dürfen. Die Erfordernisse sind nun aufgezeigt, nun muss sich der Fokus auf die Lösungsfindung richten“, so Lies weiter.

Das Wasserversorgungskonzept bildet hierfür einen übergeordneten Rahmen und stellt Daten und Grundlagen im landesweiten Maßstab zur Verfügung. Nun wird es Aufgabe der Verantwortlichen auf den verschiedenen Handlungsebenen sein, diese Erkenntnisse in regional bzw. lokal differenzierte Handlungskonzepte umzusetzen und konkrete Lösungen zu erarbeiten. Dies kann nur im gesellschaftlichen Konsens erfolgen und erfordert ausgewogenes und abgestimmtes Handeln. Das Land möchte die unterschiedlichen Regionen auf diesem Weg unterstützen.

Die verschiedenen Planungsebenen müssen künftig gut ineinandergreifen. Das Land sieht sich hierbei in einer koordinierenden und moderierenden Rolle. So wie wir einen Fluss von der Quelle bis zur Mündung betrachten, müssen wir auch begreifen, dass die Grundwasservorräte nicht an den Grenzen von Gemeinden oder Landkreisen halt machen.

Das integrale Managementkonzept zur Bewirtschaftung von Wassermengen im Landkreis Nienburg ist hier ein sehr positives Beispiel, wie die Erkenntnisse auf regionaler Ebene konkretisiert werden sollten. Auch hier stand ein abgestimmtes Handeln zwischen allen Beteiligten im Vordergrund der Erarbeitung. Die hieraus entstandenen Planungen sollen nun in der Fläche umgesetzt werden. Auch andere Landkreise, wie beispielsweise der Landkreis Osnabrück zeigen geeignete Wege für eine Weiterentwicklung der niedersächsischen Wasserversorgung auf regionaler Ebene auf. Das Land fördert entsprechende Maßnahmen und Bestrebungen zum zukunftsweisenden Umgang mit unseren Wasserressourcen über eine neue Förderrichtlinie Klimafolgenanpassung Wasserwirtschaft.

Neben unseren Grundwasserressourcen muss auch der Gesamtwasserhaushalt in den Blick genommen werden. Das Wasserversorgungskonzept bildet einen Baustein für das Wassermanagement in Niedersachsen und ist damit Teil der Niedersächsischen Wasserstrategie. Für eine Gesamtstrategie, die den gesamten Wasserhaushalt umfasst, sind auch die Flüsse und Seen sowie die Systeme der Be- und Entwässerung und auch Maßnahmen der Wasserrückhaltung oder Speicherung in die Betrachtungen einzubeziehen. Die Erkenntnisse des Wasserversorgungskonzeptes Niedersachsen bilden hierbei einen wesentlichen Part ab. Im weiteren Prozess werden die auf Landesebene gewonnenen Erkenntnisse außerdem in die Erörterungen zur Nationalen Wasserstrategie auf Bundesebene einzubringen sein.

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