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Aktueller Nährstoffbericht – Lies : „Gebiete mit signifikanter Überschreitung der Grenzwerte machen erschreckende 38 Prozent der Landesfläche aus“

Nährstoffbericht


Nach der Vorstellung des aktuellen Nährstoffberichts durch das Landwirtschaftsministerium heute (24.04.2019) sieht Umweltminister Olaf Lies dringenden Handlungsbedarf im Bereich Grundwasserschutz:

„Der Nährstoffbericht zeigt, dass es beim Grundwasserschutz in Niedersachsen teilweise bereits fünf nach zwölf ist. Zwar sehen wir erste positive Tendenzen, doch ist vor allem ganz klar geworden, dass es in einigen Gebieten in Niedersachsen nach wie vor einen erheblichen Überschuss an Stickstoff und Phosphat gibt. Es wurde zu lange gezögert, konsequente Maßnahmen zu ergreifen, so dass die Landwirtschaft jetzt in einer wirklich dramatischen Situation steckt. Wir müssen das aufholen, was zehn Jahre auf die lange Bank geschoben wurde. Deswegen ist es notwendig, den Einsatz von Dünger jetzt konsequent zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass in der Gesamtbilanz nicht mehr Nährstoffe entstehen als am Ende verbracht werden können.“

Das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium haben sich gemeinsam darauf verständigt, die betroffenen Grundwasserkörper in abgrenzbare Teilkörper zu unterteilen, sodass sichtbar wird, wo genau die Grenzwerte signifikant überschritten werden. Diese Gebiete mit dringendem Handlungsbedarf machen rund 38 Prozent der Landesfläche aus.

„Damit können wir in Niedersachsen endlich transparent aufzeigen, wo die Risikogebiete sind – denn nur wenn wir wissen, wo Belastungen entstehen, können zielgerichtet Maßnahmen ergriffen werden. Die Differenzierung hilft den Landwirten, die sich schon jetzt an die Spielregeln halten“, so Minister Lies weiter. „Unser Ziel muss sein, die Belastung des Grundwassers, aber auch der Flüsse und Seen schnellstmöglich zurückzufahren, zugunsten der Natur, aber insbesondere um unser Trinkwasser nicht zu gefährden. Dafür ist ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig: von der Reduzierung der Tierbestände über konsequente Kontrollen der Einhaltung des Düngerechts bis zu verbesserten Bedingungen für eine umweltfreundliche Verbringung von Dünger in Ackerbauregionen. Daran führt überhaupt kein Weg vorbei, wenn wir sauberes Grundwasser und unsere Landwirtschaft erhalten wollen.“

Eine Überprüfung der Messstellen von Grund- und Oberflächenwasser hält Lies für nicht erforderlich. „Unsere Messstellen werden regelmäßig kontrolliert. Diese Debatte lenkt von der eigentlichen Problematik ab.“


Mit dem Nährstoffbericht 2017/2018 werden die Ergebnisse der gemeldeten Wirtschaftsdünger des Meldezeitraumes 01.07.2017 bis 30.06.2018 veröffentlicht. Der seit 2013 jährlich durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen unter Einbindung der Landesämter LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) und NLWKN (Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) erstellte Bericht ist eine wichtige Datenbasis für das Nährstoffmanagement in Niedersachsen. Ziele: die bedarfsgerechte Düngung zu stärken, sinnvolle Nährstoffkreisläufe zu schließen, die Transparenz des Düngegeschehens zu fördern sowie die Nährstoffeffizienz zu erhöhen und die Nitratbelastungen zu verringern. Dafür schreibt der Bericht die gemeldeten Verbringungen und den Nährstoffsaldo für Niedersachsen fort und stellt in einer weiteren Berechnung eine aktualisierte Stickstoff-Flächenbilanz für das Land gemäß den Vorgaben des § 8 der geltenden Düngeverordnung auf. Nach der erfolgten Novellierung des Düngerechts ergeben sich für den Nährstoffbericht neue oder geänderte Grundlagen und Vorgaben für die Berechnungen. Mit diesem Bericht werden die neuen Richtwerte beim Nährstoffanfall und des Düngebedarfs nach der novellierten Düngeverordnung vom 26. Mai 2017 berücksichtigt.

Hintergrund:
Niedersachsen hat aufgrund seiner intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftung seit Jahren hohe Nährstoffüberschüsse, die Grundwasser und Oberflächengewässer belasten. Dies führt dazu, dass im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie für rund 60 Prozent der Landesfläche ein schlechter chemischer Zustand des Grundwassers an die europäische Kommission gemeldet werden musste. Auch die seit Mitte der 90er Jahre im Vier-Jahresturnus zu meldenden Nitratberichte zeigen keine Verbesserungen der Grundwasserqualität. Ende 2016 hat die Europäische Kommission daher beim EuGH Klage eingereicht wegen mangelnder Umsetzung der Nitratrichtlinie.

Wie hoch ist die Nitratbelastung des Grundwassers und anderer Gewässer in Niedersachsen?

Karten informieren über Nährstoffbelastungen in Grund- und Oberflächengewässern


Informationen finden Sie auch im Umweltbericht:

Nitrat im Grundwasser




Artikel-Informationen

24.04.2019

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