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Luftreinhalteplan für Hannover

1. Erstellung

Der Luftreinhalte-Aktionsplan für Hannover wurde vom Rat der Stadt Hannover im Juli 2007 beschlossen. Im Jahr 2002 wurde auf Grund der Höhe der Messwerte für Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10) an der Verkehrsstation Göttinger Straße die Schwelle (Grenzwert + Toleranzmarge) überschritten, die zur Aufstellung eines Luftreinhalteplanes verpflichtet.

2. Sachstand bis 2010

In Hannover wurde im Jahr 2010 weiterhin eine Überschreitung des NO2-Jahresgrenzwertes von 40 μg/m³ gemessen. Für das Stadtgebiet von Hannover ist durch das GAA Hildesheim der Bericht „Modellgestützte Voruntersuchung zur Fortschreibung des Luftreinhalteplanes im Rahmen der NO2-Notifizierung - Hannover –“ erstellt worden. Er beinhaltet modellgestützt u.a. eine Ermittlung der Luftschadstoffbelastungen im Hauptstraßennetz für das Bezugsjahr 2010 unter Berücksichtigung der 3. Stufe der Umweltzone. Die Berechnungen ergaben im Stadtgebiet Hannover für den Jahresmittelwert für PM10 Belastungen von bis maximal 30 μg/m³. Der PM10-Jahresgrenzwert von 40 μg/m³ wird damit sicher eingehalten. Für den PM10-Tagesgrenzwert von 50 μg/m³ bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Jahr sind lediglich bei zwei Abschnitten in der Friedrich-Ebert-Straße eine geringe Wahrscheinlichkeit für dessen Überschreitung berechnet worden. Die Berechnung des NO2-Jahresmittelwertes ergab für mehrere Straßenabschnitte Überschreitungen des Grenzwertes.

3. Fristverlängerung zur Einhaltung des NO2-Jahresgrenzwertes

Die Stadt hat gegenüber dem Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz zur Weiterleitung an das Bundesumweltministerium und die Europäische Kommission mitgeteilt, von der Möglichkeit der Inanspruchnahme einer Fristverlängerung für NO2 bis 2015 zur Einhaltung des NO2-Grenzwertes Gebrauch machen zu wollen. Gegen die Verlängerung der Frist für die Einhaltung des in Anhang XI der Richtlinie 2008/50/EG festgesetzten NO2-Jahresgrenzwerts wurden keine Einwände erhoben, sofern der entsprechende Luftqualitätsplan angenommen und der Kommission mitgeteilt wurde. Dieser Plan wurde der Kommission so schnell wie möglich mitgeteilt. Die Verlängerung galt bis zum 1. Januar 2015 (Beschluss der Europäischen Kommission vom 20.2.2013 (C(2013) 900 final)).

4. Entwicklung der Luftqualität

In Hannover wird in einem Abschnitt in der Göttinger Straße kontinuierlich die Luftschadstoffbelastung gemessen. Während im Jahre 2015 an dieser Verkehrsmessstation eine NO2-Immission von 49 µg/m³ gemessen wurde, konnte 2019 erstmals mit 39 µg/m³ eine Einhaltung des Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ messtechnisch festgestellt werden. Zusätzlich wird die NO2-Immission in Hannover seit 2010 an weiteren Standorten mittels Passivsammlern verkehrsnah bestimmt. In der Vahrenwalder Straße wird der Jahresgrenzwert für NO2 seit 2018 und an den Probenahmestellen in der Bornumer Straße und der Marienstraße erstmals im Jahr 2019 unterschritten. Im Jahr 2019 liegt die verkehrsnahe NO2-Konzentration nur noch in der Friedrich-Ebert-Straße über dem Jahresgrenzwert für NO2 von 40 µg/m³.

Zusätzlich wurde im Nahbereich der Wohnbebauung mit einer Kombination aus Messung und Modellierung eine Beurteilung der Belastung der Wohnbevölkerung durchgeführt. Zur differenzierteren Betrachtung der durchschnittlichen Belastung wurde dabei die mittlere NO2-Konzentration des Straßenabschnittes abhängig von der Nutzung für Wohnzwecke für das Erdgeschoss oder die erste Etage in einer Höhe von 1,5 bzw. 3,9 m im Abstand von 2,5 m von der Baufluchtlinie ermittelt. Anhand der vorliegenden Messergebnisse erfolgte eine Kalibrierung der berechneten Konzentrationen. Für die mittlere Jahresbelastung wurde dann – einem konservativen Ansatz folgend – die höchst belastete Etage der Wohnbebauung des untersuchten Straßenabschnittes herangezogen.

Für die Friedrich-Ebert-Straße wurde wohngebäudenah eine mittlere NO2-Jahresbelastung von 39 μg/m³ bei einem verkehrsnahen Messwert in 2018 in Höhe von 47 μg/m³ und damit eine Einhaltung des relevanten Grenzwertes berechnet. 2019 wurde für NO2 verkehrsnah ein Jahresmittelwert von 43 µg/m³ ermittelt.

Für die Marienstraße ergab sich mit der beschriebenen Vorgehensweise ein NO2-Jahresmittelwert von 43 μg/m³ bei einem verkehrsnahen Messwert in 2018 in Höhe von 45 μg/m³ und damit eine Überschreitung des relevanten Grenzwertes. 2019 wurde für NO2 verkehrsnah ein Jahresmittelwert von 40 µg/m³ ermittelt.

Für die Bornumer Straße ergab sich mit der beschriebenen Vorgehensweise ein NO2-Jahresmittelwert von 44 μg/m³ bei einem verkehrsnahen Messwert in 2018 in Höhe von 45 μg/m³ und damit eine Überschreitung des relevanten Grenzwertes. 2019 wurde für NO2 verkehrsnah ein Jahresmittelwert von 39 µg/m³ ermittelt.

Für die Göttinger Straße ergab die Kontrolle einen NO2-Jahresmittelwert von 39 μg/m³ bei einem verkehrsnahen Messwert in 2018 in Höhe von 42 μg/m³ und damit Einhaltung des relevanten Grenzwertes. 2019 wurde für NO2 verkehrsnah ein Jahresmittelwert von 39 µg/m³ ermittelt.

Im Jahr 2019 liegt damit lediglich für die Friedrich-Ebert-Straße verkehrsnah eine Überschreitung des NO2-Jahresgrenzwertes vor. Durch die MISKAM-Berechnungen des Jahres 2018 scheint eine Belastung der Wohnbevölkerung aber ausgeschlossen zu sein. Im Lauf des Jahres 2019 wurden an den 4 Standorten wohngebäudenah NO2-Passivsammler installiert. Die bisher vorliegenden Messwerte an den Baufluchtlinien lassen zusätzlich erwarten, dass davon auszugehen ist, dass im Jahre 2020 auch der weitere Nachweis durch valide Messungen geführt werden kann, dass in Hannover die Wohnbevölkerung in keinem Straßenabschnitt mehr NO2-Jahresgrenzwerten von 40 µg/m³ und mehr ausgesetzt sein wird. Die validierten Werte liegen erfahrungsgemäß im Zeitraum Februar/März 2021 vor.

5. Wirkung der Umweltzone

Als Teil des Luftreinhalteplanes hat die Stadt Hannover seit dem 01.01.2008 eine Umweltzone (UWZ) eingerichtet, in der zeitlich über 3 Jahre abgestuft emissionsabhängige Fahrverbote erlassen wurden. Seit 2010 ist die Umweltzone noch von Fahrzeugen mit einer grünen Plakette (Diesel Euro 4, Euro IV und V, Benziner mit geregeltem Katalysator) befahrbar.
Die Wirkung der Umweltzone wurde in 2009 und 2010 auf Basis der vorliegenden Messdaten des LÜN untersucht. Die Luftqualität in der Stadt Hannover hat sich unter anderem aufgrund der verbesserten Fahrzeugflotte in der Stadt seit 2010 signifikant verbessert, siehe Abschnitt 4 - Entwicklung der Luftqualität. Vor diesem Hintergrund wurde die Wirkung der Umweltzone auf die Luftqualität in 2020 durch Modellrechnungen geprüft. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Umweltzone weiterhin einen relevanten Effekt auf die Luftqualität bzw. die Luftschadstoffe Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM10) hat.

 Modelltechnische Untersuchungen zur Überprüfung der Wirkung der Umweltzone Hannover auf die NO2-Konzentration, Jul. 2020
(2,09 MB)

 Modelltechnische Untersuchungen zur Überprüfung der Wirkung der Umweltzone Hannover auf die PM10-Konzentration, Jul. 2020
(2,18 MB)

 Untersuchung der Stickstoffdioxidkonzentration im Umfeld der verkehrsnahen Probenahmestellen des LÜN in Hannover (27.11.2019)
(7,42 MB)

 Modellgestützte Voruntersuchungen zur Fortschreibung des Luftreinhalteplanes im Rahmen der NO2-Notifizierung, Sept. 2011
(5,18 MB)

 Auswirkungen der Umweltzone Hannover auf die Luftqualität, Juli 2010
(2,16 MB)

 Auswirkungen der Umweltzone Hannover auf die Luftqualität, April 2009
(0,91 MB)

 Voruntersuchungen zum Luftreinhalteplan Hannover nach der EU-Richtlinie zur Luftqualität, Mai 2006
(14,26 MB)

 Verteilung der Luftschadstoffbelastung in der Stadt Hannover auf der Basis der neuen Emissionsfaktoren für Straßenverkehr, Juni 2005
(2,71 MB)

 Berechnung hoch aufgelöster Emissionsdaten für einen Ballungsraum und Straßenschluchten, Aug. 2004
(2,70 MB)

 Erstellung eines auf Naturmessungen basierenden Validierungsdatensatzes zur Ausbreitung von Schadstoffen in Straßenschluchten, Juli 2004
(9,31 MB)

 Maßnahmen zum Luftreinhalte- und Aktionsplan Hannover, Göttinger Straße; Auswertung des 1. Feldversuches, Juni 2004
(0,77 MB)

 Feinstaub und Schadgasbelastungen in Hannover, Göttinger Straße, Apr. 2003 (Langfassung)
(6,06 MB)

 Feinstaub und Schadgasbelastungen in Hannover, Göttinger Straße, Apr. 2003 (Kurzfassung)
(3,57 MB)

Probenahmestelle Göttinger Straße   Bildrechte: GAA

Probenahmestelle Göttingerstraße

Probenahmestelle Friedrich-Ebert-Straße   Bildrechte: GAA

Probenahmestelle Friedrich-Ebert-Straße

Probenahmestelle Marienstraße   Bildrechte: GAA

Probenahmestelle Marienstraße

Probenahmestelle Bornumer Straße   Bildrechte: GAA

Probenahmestelle Bornumer Straße

Probenahmestelle Vahrenwalderstraße   Bildrechte: GAA

Probenahmestelle Vahrenwalderstraße

Artikel-Informationen

erstellt am:
20.08.2009
zuletzt aktualisiert am:
16.09.2020

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